Was ist intensive Netznutzung? 

Intensive Netznutzung verstehen

Was ist intensive Netznutzung?

Eine intensive Netznutzung liegt vor, wenn an einer Verbrauchsstelle (= Zähler) ein Stromverbrauch von mindestens 10 GWh/a und mindestens 7.000 h/a (Benutzungsstunden) erreicht werden.
In diesem Fall können die Netzentgelte um bis zu 90 % reduziert werden.
Die Benutzungsstunden werden als Quotient aus Jahresstromverbrauch Wel in kWh und Jahreshöchstleistung Pmax in kW berechnet und sind ein Indikator für die Volatilität des Jahreslastgangs.

Berechnung der Benutzungsstunden:
Ben.Std. [h/a] = Wel [kWh] / Pmax [kW]
Theoretisch können somit bei einem ganzjährig konstanten Leistungsbezug aus dem Netz 8.760 h/a erreicht werden. In der Praxis liegen die meisten produzierenden Industrieunternehmen bei Werten zwischen 4.500 und 6.500 h/a.

Folgende Faktoren beeinflussen dabei hauptsächlich die Höhe der Benutzungsstunden:

  • Anzahl der Schichten
  • saisonale Schwankungen
  • witterungsbedingte Einflüsse
  • Kontinuität des technologischen Prozesses

Rechtliche Grundlagen

Rechtliche Grundlage Ihres Anspruchs auf eine Netzentgeltsenkung ist der § 19 Abs. 2 StromNEV.

 

 

 

Netznutzungsentgelte in Deutschland

Mittelständische Industriekunden zahlten 2020 durchschnittlich pro Standort Netzentgelte in Höhe von 342 T€/a (10 GWh/a) bis 1.712 T€/a (50 GWh/a), Tendenz steigend. Die aktuelle Studie von ELBE ENERGIE für den Verband „Die Familienunternehmer e.V.“ beinhaltet eine Prognose der Netzkosten bis 2030. Diese werden voraussichtlich um weitere 70-100 % steigen, bezogen auf das Basisjahr 2019.

Bereits ab einem Wert von 6.000 h/a lassen sich durch folgende Maßnahmen die Benutzungsstunden auf mehr als 7.000 h/a erhöhen:

  • optimierte Maschinenbelegung
  • Lastverschiebung
  • Schalten und Regeln von Maschinen und Anlagen
  • Nutzung der Speicherfähigkeit in Prozessen (z.B. Wärme, Kälte, Druckluft)
  • dezentrale Stromerzeugung
  • Einsatz von Speichern (z.B. Wärme, Kälte, Druckluft, Strom)

Nebenbei können so auch weitere Erlöse aus der Vermarktung der Flexibilität über den Regelenergiemarkt erzielt werden.

Praxisbeispiele

Praxisbeispiel Mischfutterwerk
Ausgangssituation: Stromverbrauch ca. 11 GWh/a, Pmax 1,9 MW; 5.800 h/a
Umgesetzte Maßnahmen:  Optimierte Maschinenbelegung, Lastverschiebung, Schalten und Regeln von Maschinen und Anlagen, dezentrale Stromerzeugung
Ergebnisse: Netzentgeltreduzierung von 182-230 T€/a seit 6 Jahren, Paybackzeit 2,9 Jahre

Praxisbeispiel Lebensmittelindustrie
Ausgangssituation: Stromverbrauch ca. 32 GWh/a, Pmax 4,9 MW; 6.300 h/a
Umgesetzte Maßnahmen:  Lastverschiebung, Schalten und Regeln von Maschinen und Anlagen, Nutzung der Speicherfähigkeit in Prozessen (Kälte), dezentrale Stromerzeugung
Ergebnisse: Netzentgeltreduzierung von 805-981 T€/a seit 8 Jahren, Paybackzeit 2,1 Jahre

Praxisbeispiel Kunststoffindustrie

Ausgangssituation: Stromverbrauch ca. 20 GWh/a, Pmax 3,8 MW; 5.300 h/a
Umgesetzte Maßnahmen: Optimierte Maschinenbelegung, Lastverschiebung, Schalten und Regeln von Maschinen und Anlagen, dezentrale Stromerzeugung, Druckluftspeicher, Kältespeicher
Ergebnisse: Netzentgeltreduzierung von 320-416 T€/a seit 4 Jahren, Paybackzeit 3,4 Jahre

Unser Wissenspool

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